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Ruecksichtnahme...

... oder Ruecksichtslosigkeit!

Montag, 16.10.2006; 19:20h Ortszeit Guayaquil

 Ich moechte hier nicht die Ecuadorianer schlecht machen oder irgendjemanden in den Dreck ziehen, ich hoffe, das wird nicht falsch verstanden. Aber in der letzten Zeit ist mir immer oefter aufgefallen, dass die Menschen, mit denen ich hier zu tun habe, fuer meine Beduerfnisse oft sehr wenig Ruecksicht nehmen. Allerdings nicht nur mir gegenueber sondern ganz allegemein. Wahrscheinlich verhalten sie sich nicht anders als andere Ecuadorianer und fuer sie ist das alles ganz normal, aber mir als Fremde in dieser Kultur faellt es unangenehm auf.

 Ich moechte euch ein paar Beispiele geben, damit ihr besser versteht, was ich meine. Wie ich ja schonmal berichtet habe, teile ich mir ein Zimmer mit meiner Gastschwester Lissette. Jetzt ist es so, dass sie morgens um 5:30 aufstehen muss, da die Schule um 7:00h anfaengt. Ich konnte im ersten Monat allerdings lange schlafen, weil ich ja erst Nachmittags gearbeitet habe. Und auch jetzt muss ich nicht vor 6:30h aufstehen. Trotzdem hat sich meine Gastschwester aber bisher noch nie auch nur die geringste Muehe gegeben, morgens leise zu sein. Natuerlich muss sie sich im Zimmer fertig machen und ich habe auch kein Problem damit, wenn sie Licht anmacht. Aber muss man, wenn im Nebenbett jemand schlaeft lauf durch die gaanze Wohnung schreien? Oder seinen Schulrucksack zwischendurch auf eben diesem Bett, in dem jemand schlafen will ablegen. Muss man jedes mal, wenn man ins Zimmer komt oder es verlaesst die Tuer so laut wie nur moeglich aufmachen und zuknallen? Bei uns wuerde sich darueber jeder beschweren, hier ist es offensichtlich normal.

 Eine wwitere Sache, ueber die ich mich oft aerger ist, dass alles immer auf voller Lautstaerke laufen muss. Ob das der Fernsehr im Schlafzimmer der Eltern ist oder die Playstation im Jungenzimmer, (Oder beides glecihzeitig!), wenn ich in meinem Zimmer versuche zu lesen, muss ich die Ztuer zumachen und versuchen, die Geraeuschkulisse zu ueberhoeren. Hier versucht einfach jeder, am lautesten zu sein, egal, ob die anderen was anderes machen oder ihre Ruhe haben wollen.

 Apropos Ruhe haben wollen. In der Woche nach meinem Geburtstag war ich ja, wie viele von euch bereits wissen, krank. Ich hatte zwar nur eine Entzuendug im Darm und nichts Schlimmes, aber es ging mir trotzdem ziemlich scheisse. Krank sein ist immer doof und wenn man dann nicht zu Hause ist, ist es gleich nochmal schlimmer. Ich hatte ziemliche Schmerzen und konnte nichts Essen, habe durch den Durchfall viel Wasser verloren und war somit einfach total schlapp und kaum in der Lage, die paar Schritte zum Klo zugehen. Ihr koennt euch gut vorstellen, dass man in so einer ituation Unterstuetzung und Hilfe braucht. Zu Hause haette meine Mama mir Essen und Trinken ans Bett geracht und waer mit mir schnellstmoeglich zum Arzt gefahren. Hier war ich erstmal alleine zu Hause. Nach einem Anruf bei meiner Gastmutter kam sie dann auch recht schnell, aber nachdem wir festgestellt haben, dass der Arzt erst am 16:00h aufhat, war die Sache fuer sie auch erstmal erledigt.

 Die Fahrt zum Arzt war dann auch nicht besser. Zusaetzlich dazu, dass die Aerztin eine halbe Stunde zu spaet kam und ich vor der Tuer stehen und warten musste, hat meine Gastmutter es danach auch nicht fuer noetig gehalten, mich nach Hause zu bringen, sondern ist mit mir durch die Stadt gegangen, um noch "mal eben" etwas einzukaufen. Wieder zu Hause war ich so fertig... das fand ich schon nicht nett.

 So aehnlich ging das dann auch die ganze Woche. Ich habe mir immer selber mein Essen geholt und meinen Kamillentee gekocht, die Touren zum Arzt wurden immer mit irgendetwas anderem verbunden und in Ruhe schlafen oder mich ausruhen konnte ich auch nicht, weil ja alles so laut war und jeder im Zimmer ein- und ausgegangen ist, wie es ihm beliebte.

 Am Freitag hab ich mich dann wieder einigermassen fit gefuehlt, so dass ich beschlossen habe, am AFS-Treffen teilzunehmen. Meine Mutter hatte ja auch versprochen, mich zu fahren. Auf dem halben Weg musste sie dann allerdings feststellen, dass sie den Weg doch nicht so genau weiss und somit musste ich aussteigen und ein Taxi nehmen. Da ging es mir dann schon wieder nicht so gut!

 Jetzt koennte man meinen, nur meie Familie sei so, dass stimmt aber nicht. Und darum kann ich ihnen das auch kaum uebel nehmen. Auf den Rueckweg vom AFS-Treffen habe ich dann naemlich unsere Komiteevorsitzende gebeten,  mir mit dem Heimweg zu helfen, damit ich schnellsmoeglich ins Bett kann. Sie hat auch zugesagt, mich dann aber erstmal zu Fuss durch die Stadt geschaeucht, auf der Suche nach einem Bus. Als sie den nicht gefunden hat haben wir dann ein Tax genommen, zu dem Zeitpunkt war ich aber schon wieder total am Ende! Zum kroenenden Abschluss dieses Tages hat meine Familie abends eine spontane Geburtstagsfeier fuer meinen Vater gegeben. Natuerlich mit vielen Gaesten, lauter Musik und bis spaet in die Nacht.

 Ich weiss nicht, wie ihr ueber so ein Verhalten denkt, vielleicht stell ich mich ja auch wirklich nur an, aber mir kommt das machmal wirklich sehr Ruecksichtsloss vor, wie sie sich hier verhalten. Das bezieht sich auch nicht nur auf meine Gastfamilie und auf solche Situationene, wie ich sie oben beschrieben habe. Das zieht sich durch meinen ganzen Alltag hier. So wird zum Beispiel grundsaetzlich nie Klopapier nachgefuellt, wenn man es leer gemacht hat, (es werden auch immer nur 4 Rollen fuer eine Woche gekauft, egal ob Familienfeier ist und das Haus voller Menschen ist, einer Durchfall hat oder wir uebers Wochenede weg sind.) und wenn in der Arbeit einige der Maedchen am Feiertag nicht kommen wollen, dann bleiben sie zu Hause und interessieren sich nicht dafuer, dass sie vorher versprochen hatten, an genau diesem Tag bei einer Vorstellung fuer die anderen Maedchen zu helfen. 

 Das alles klingt jetzt sicher sehr boese, ich moechte aber nochmalbetonen, dass ich keinen schlechtmachen moechte. Natuerlich stoert mich dieses Verhalten und ich aerger mic hauch oft darueber. Aber ich denke, so sind die Menschen hier einfach, das gehoert mit zu ihrer Mentalitaet und zu ihrer Art. Ich sehe das Ganze als interessante Erfahrung an, darum berichte ich hier darueber. Ich denke, wir alle koennen aus dem Verhalten anderer sehr viel lernen, auch ueber uns selbst. Zumindest ich lerne viel ueber mich selbst und meine Grenzen dadurch und ich bin sehr dankbar dafuer, diese Erfahrung machen zu koennen.

 Sicherlich verhalten auch wir Deutschen/Europaeer oder was auch immer wir sind, uns nicht immer so, wie es am Besten waere. Wahrscheinlich findet ein Ecuadorianer in Deutschland genau so viele Sachen und Verhaltensweisen an uns, ueber die er sich aergert und aufregt, wie ic hier. Darum nennt man das Ganze ja auch Austausch der Kulturen und internationales Lernen. Es ist Sinn er Sache, sowohl Positives als auch Negatives an der jeweiligen neuen, aber auch an der eigenen Kultur festzustellen und das macht sehr viel Spass.

 Ich denke ich muss euch nicht sagen, dass ihr jetzt nicht aufgrund meines Berichtes die Ecuadorianer beurteilen oder fuer schlechter halten sollt. Ich halte sie immernoch fuer ein sehr nettes, freundliches und aufgeschlossenes Volk und bin auch mit meiner Gastfamilie weiterhin sehr zufrieden. Aber ab und zu muss man auchmal kritisch sein duerfen.

 Also dann, genug der schlauen Reden, ich habe euch hier mal eine Seite von meinem Austausch praesentiert, die nicht ganz so toll ist. Demnaechst schreib ich wieder ueber all die schoenen Ausfluege und Erfahrungen und die netten Menschen, mit denen ich hier zu tun habe. Ich hoffe, ihr bleibt mir weiterhin als treue Leser erhalten. Ich freue mich immer wieder ueber eure tollen Gaestebucheintraege und lieben Kommentare. VIELEN DANK und bis bald!!!!

17.10.06 03:13
 


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bisher 3 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Tim / Website (18.10.06 02:24)
Hallo Annika,

kann ich nur bestätigen und anmerken, dass Ecuadorianer anscheinend total lärmunempfindlich sind. Ständiges Hupen und Autoalarmanlagen in den Strassen, laute Musik/Videos und fliegende Händler im Bus, permanentes Rauschen von Klimaanlage oder Lüfter und die ständig simultan verlaufenden Unterhaltungsstränge in Grossfamilien.

Deutschland würden sie bestimmt als totenstill bezeichnen...

Bis bald,
Tim


Enrico / Website (30.10.06 06:24)
Hi Annike,
gerade habe ich eine kleine Stellungnahme zu deinem Betrag verfasst. Da die Trackbacks leider nicht in deiner Kommentarliste aufgenommen werden, versuche ich es so.

Liebe Grüße
Enrico


CaTiO / Website (2.11.06 18:37)
Hallo Annika,
man kann dieses verhalten z.t. in geringerem maße schon an den südeuropäern beobachtet.
als ich in süditalien war, natürlich zur hauptferienzeit, haben sich manche auchnicht daran gestört dass es mitten in der nacht ist und man aus rücksicht dann nicht hupend duch die gegen fährt oder von balkon zu balkon brüllt.
Auch im straßenverkehr gilt eher die regel "zuerst ich" und so empfand ich diese, zu deiner ausführung doch lächerlich geringe störung ebenfalls als recht unangenehm.
Ich vermag mir das nicht richtig vorzustellen...
(in China solls für uns europäer auch so schlimm sein)
Grüßle aus Cronenberg
marcel

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