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Hogar Infanto Juvenil Feminino

Montag, 07.08.2006 10:38 Ortszeit Guayaquil

 Nachdem mich nun in den letzten Tagen einige Mails mit Fragen ueber mein Projekt erreicht haben, will ich endlich auch mal darueber berichten. Eine Woche Arbeit dort duerfte ja genuegen, um sich ein realistisches Bild machen zu koennen. :-)

 Also, ich arbeite in eine einem Heim fuer Maedchen, die keine Eltern mehr haben oder deren Eltern auf der Strasse leben und es sich nicht leisten koennen, ihren Kindern das Noetigste zu bieten. Dieses Heim heisst Hogar Infanto Juvenil Feminino und ist mit dem Bus in etwa einer Stunde von meiner Familie aus zu erreichen. Ich arbeite dort immer montags bis freitags von 13:00 bis 17:00 Uhr.

 Das Heim ist wirklich nicht mit deutschen Kinderheimen zu vergleichen, es ist dort dreckig, es stinkt und wenn ich das Essen nur sehe wird mir schlecht! Mir fiel as am Anfang schwer mir vorzustellen, dass es den Kindern dort besser gehen kann als vorher. Aber wenn man sich ueberlegt, dass die Alternative die Strasse ist... Da hab ich ja schon Angst, dass man mich beklaut oder ueberfaellt!

 Die Maedchen dort sind zum Teil schwer behindert, zwei koennen weder reden noch alleine Essen oder sonst irgendetwas. Sie machen sich in die Hose und keiner kuemmert sich darum. Wenn man grade keine Lust hat, werden sie nicht gefuettert und den ganzen Tag sitzen sie in irgendeiner Ecke und haben nichts zu tun. Das ist schon schwer mit anzusehen.

 Das Alter der Maedchen liegt hauptsaechlich zwischen 5 und 15/16 Jahren, und kaum eine von ihnen kann lesen oder schreiben. Sie sind immer ganz stolz, wenn sie die Zahlen von 1 bis 10 aufsagen koennen, aber schrieben koennen sie die auch nicht. Geschweige denn addieren oder subtrahieren... .

 Eine Frau allerdings ist schon 23 und lebt anscheinend schon ihr ganzes Leben dort in dem Heim. Sie hat keine Eltern und ist lernbehindert. Sie ist, wie die anderen, Analphabetin, moechte aber gerne lernen zu schreiben. Offensichtlich hat sich darum nur bisher keiner gekuemmert. Und jetzt faellt auf einmal allen auf, dass sie ja nicht ewig in dem Heim bleiben kann und langsam Arbeit finden sollte. Also wollte eine der Betreuerinnen ihr zumindest beibringen, ihren Namen zu schreiben. Das ist allerdings ziemlich in die Hose gegangen. Musste es auch! Die Betreuerin hat naemlich nur den Namen und Nachnamen auf einen Zettel geschrieben - in Schreibschrift - und von dem Maedchen verlangt, das nachzumachen. Sie ist in Traenen ausgebrochen weil sie es nicht konnte. 

 Uberhaupt sind die Betreuerinnen etwas seltsam. Schon bei meinem ersten Besuch habe ich mich gewundert, warum keiner sich wirklich fuer mich interessiert hat. Immerhin komme ich fuer fuenf Monate jeden Tag um dort zu helfen und werde nicht bezahlt! Da sollten sie sich doch drueber freuen, oder? Stattdessen werde ich nach drei Stunden den Maedchen vorgestellt, die dann gleich angeschnautzt werden, dass sie mich gafaelligst zu respektieren haben. Zu der Zeit hatte ich mich schon laengst mit den Maedchen angefreundet!

 Was meine Aufgabe dort ist hat mir auch keiner wirklich erklaert. Eigentlich reden sie sogar gar nicht mit mir, obwohl ich gesagt habe, dass Spanisch in Ordnung ist, so lange man nur langsam mit mir spricht. Aber das ist wohl zu anstrengend, wie alles dort. Am liebsten setzen die netten Betreuerinnen ihre Schuetzlinge vor den Fernseher und lassen sie Zeichentrickserien schauen anstatt ihnen Lesen und Schreiben beizubringen. 

 Von einer anderen Freiwilligen, einem Maedchen aus den USA die noch zwei Wochen dort arbeitet, habe ich erfahren, dass es bei ihr am Anfang nicht anders war. Sie hat dann einfach auf eigen Faust versucht, den Maedchen irgendwas beizubringen. Ich werde diesen Versuch also fortsetzten und hoffen, dass jemand mitmacht damit ich nicht vor Langeweile umkomme. ;-)

 Ueberhaupt ist mir das Ganze ein wenig suspekt. Vor unserer Abreise aus dem Sprachcamp hat jeder eine Beschreibung seines Projektes bekommen, die die Leiter dort selbst ausgefuellt haben. Bei mir stand unter anderem drin, dass alle eine Uniform tragen und ich regelmaessige Unterstuetzung bekomme. Weder das eine, noch das andere ist der Fall. Mal abgesehen davon, dass dort auch stand, ich wuerde Vormittags arbeiten... Naja, ich werde das Beste daraus machen!

 Immerhin kann ich sagen, dass die Maedchen mich sehr gerne moegen und ich sie auch. Ich glaube, wir koennen viel Spass gemeinsam haben, auch wenn die Betreuerinnen das anscheinend nicht so gerne sehen! Ich bin schliesslich da, um den Maedchen zu helfen, und nicht irgendwelchen verbitterten Erzieherinnen! :-)

 So, ich hoffe, ich konnte eure Neugier was mein Projekt betrifft ein wenig stillen? Jetzt muss ich naemlich auch schon los, meine Maedchen warten nicht!

 Bis bald und liebe Gruesse, eure Annika.

7.8.06 18:13
 


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