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Unterscheide Costa - Sierra

Mittwoch, 22.11.2006, 17:00h Ortszeit Guayaquil

 Tja, jetzt bin ich also wieder zurueck in Guayaquil, meine Woche Kurzaustausch in Cuenca ist um. Ich habe die Zeit dort sehr genossen, hatte eine tolle Familie und habe sehr viele schoene Dinge gesehen und erlebt. Irgendwie ist es schade, dass ich nur eine Woche dort bleiben durfte! Aber in dieser einen Woche ist mir einiges aufgefallen, was in der Sierra bzw. in Cuenca ganz anders ist als in der Costa.

 Diese Woche war wirklich ein Unterschied wie er viel krasser nicht haette sein koennen. Angefangen bei meiner Familie, ueber das Wetter und die Lebensweise dort, bis hin zum Essen und dem Strassenverkehr ist Cuenca einfach komplett anders als Guayaquil. Und ich muss ehrlich sagen, trotz des Regens hat es mir dort viel besser gefallen!

 Ich kann und moechte mich nicht ueber meine Gastfamilie hier beschweren. Das sind ganz tolle Menschen und ich fuehle mich hier sehr wohl, aber es ist doch was anderes, wenn man mit einer gleichaltrigen Schwester die Deutsch spricht lebt als wenn man drei kleine Geschwister hat. Und auch meine Gasteltern in Cuenca sind ganz anders als die hier. Ihr wisst alle, wie gut ich mit meiner Familie klarkomme und wie toll sie sind. Das hab ich glaub ich schon oefter erwaehnt, aber in Cuenca konnte ich zum Beispiel auch mit meiner Familie zusammen essen, waehrend ich hier eigentlich immer alleine esse. Wir habe uns zusammen an den Tisch gesetzt, es wurde erst angefangen, als alle etwas hatten und man hat vor dem Essen 'guten Appetit' gesagt. Ausserdem wurde in Ruhe gegessen, keiner hat gehetzt oder ist einfach aufgestanden und gegangen, als er fertig war. Wir sind nach dem Mittag- oder Abendessen oft noch lange sitzen geblieben und haben uns ueber alles Moegliche unterhalten. Das kann ich hier in Guayaquil hoechstens ab und zu mal mit meiner Mamá. Und auch nur dann, wenn nicht gerade einer von den andren irgendwas braucht oder will.

 Allgemein scheinen die Menschen in den Bergen viel ruiger und gelassener zu sein, als die Menschen hier im Kuestengebiet. Das zeigt sich auch in ihrem Fahrverhalten. Natuerlich herrscht auch in Cuenca das Gesetz des Staerkeren, aber die Fahrer hupen viel weniger und nehmen sogar ab und an Ruecksicht auf Fussgaenger. Die Busse rasen nicht wie wild um die Wette um bei jeder Person, die ein- oder aussteigen will eine Vollbremsung zu machen, sondern bremsen vorsichtig ab und helfen sogar beim aussteigen oder raustragen von Gepaeck.

 Auch ist es in Cuenca viel leiser und sauberer als bei uns hier in Guayaquil. Das leigt natuerlich zum einen daran, dass die Stadt zum Weltkulturerbe gehoert und die Menschen dort deshalb viel mehr auf Suaberkeit achten muessen, aber sie scheinen auch persoenlich mehr Wert auf Ruhe und Ordnung zu legen. Ich glaube das Badezimmer in meiner Gastfamilie dort wurde in der einen Woche oefter geputzt als das hier in unserem Haus in den ganzen lezten 4 Monaten! Klar haben sie dort ein Hausmaedchen, aber dafuer arbeiten beide Eltern vollzeit und meine Mutter hier arbeitet bekanntlich gar nicht!

 Meine Gastfamilie hier verbringt ihre Freizeit hauptsaechlich vor dem Fernsehr bei voller Lautstaerke; und das oft nicht nur in einem, sondern gleich in mehreren Zimmern. In Cuenca haben wir zweimal Abends nach dem Essen und Spuelen ferngesehen, und dass alle zusammen im Schlafzimmer der Eltern, bei meiner Ansicht nach normaler Lautstaerke.

 Am Freitag Abend hatte meine Gastfamilie Freunde zu sich nach Hause zum Essen eingelden. Das war zwar sehr nett, hat sich aber fuer mich zu lange hingezogen. Ich hatte den Tag mit Tim und Tim im Nationalpark Las Cajas verbracht und war ziemlich muede, da war es zum Ende hin sehr schwer, die Augen aufzuhalten. Am Samstag morgen war ich daher sehr dankbar dafuer, dass ich so lange schlafen konnte, wie ich wollte. In keinem Zimmer war der Fernsehr an, wie hier jeden Samstag ab spaentestens 8:00h (natuerlich bei voller Lautstaerke!), keiner hat durchs Haus geschrien oder einfach laut gesungen und keiner ist aus Versehen ins Zimmer gepoltert um dann ganz erstaunt festzustellen, dass ich ja noch schlafe. Als ich um 9:30h ins Bad gegangen bin war es im Haus totenstill und ich dachte schon, die Familie waere ausgeflogen. Aber als ich wieder raus kam stand meine Mutter in er Kueche und hat Milch fuer meinen Kaffee warm gemacht. Sie hatte in ihrem Zimmer gearbeitet und die Badezimmertuer gehoert und ist deshalb gekommen. Mein Vater war in seinem Geschaeft im Zentrum und Cecilia, meine Schwester, hat noch geschlafen. So unterschiedlich sind meine Gastfamilien!

 Interessant war auch die Vorbereitung fuer das Essen am Samstag Abend. Ich habe ja jetzt schon ein paar mal mitbekommen, wie meine Familie hier in Guayaquil Partys vorbereitet und hatte darum mit viel Stress gerechnet und gedacht, dass es ziemlich anstrengend wird. Statt dessen hat meine Mamá aber als ich nach Hause kam schon mit dem Hausmaedchen gekocht, waehrend mein Vater den Tisch gedekt hat. Als ich endlich wieder eingermassen sauber und aufgewaermt war nach dem langen Ausflug in den Nationalpark gab es dann schon nichts mehr zu helfen. Obwohl noch fast eine Stunde Zeit war, bis die Gaeste kommen sollten war schon alles fertig. Hier in Guayaqul war es meistens eher so, dass die Gaeste schon da waren und meine Mutter sich noch schnell umgezogen hat. Und natuerlich kommen die Gaeste nie puenktlich! Puenktlich war an diesem Samstag zwar ausser Tim auch keiner, aber meine Gasteltern haben sich beide kurz mit ins Wohnzimmer gesetzt und sich mit uns unterhalten. Sonst war ja schliesslich alles fertig. Hier in Guayaquil wuerde das nie pasieren!

 Zum Essen gab es an diesem Abend uebrigens Quiche Lorraine, Weihnachtsplaetzchen und anderes Gebaeck. KEIN REIS! Ueberaupt habe ich in dieser Woche viel weniger Reis gegessen als hier. Klar war ich ab und zu mit Tim und Tim in Restaurants und habe dann bewusst Spaghetti oder andere reisfreie Gerichte gegessen, aber auch in der Familie kochen sie viel weniger Reis und viel mehr Kartoffeln. Statt Kochbananen gibt es dort oft Mais und das ganze Esen ist viel weniger fettig aber viel geschmackvoller. Insgesammt kann man sagen das das Essen wie ganz Cuenca viel europaeischer ist, was mir sehr gut gefallen hat. Auch gibt es in der Stadt viel mehr Cafés - mit gutem Kaffee - als hier. Etwas absolut uneuropaeisches ist allerdings das Nationalgericht: Cuy. Waehrend man in der Kueste gerne Fisch und Meeresfruechte isst, viel Reis mit Bohnen und eben Bananen, schwoeren die Menschen der Sierra auf ihr gegrilltes Meerschweinchen. Ich durfte diese Delikatesse auch einmal probieren, mit Kartoffeln und Mote (Mais) und muss sagen, dass es mir ganz gut geschmeckt hat. :-)

 Dieses Essen hat uebrigens auch mein Vater vorbereitet. Das Cuy (Meerschwein) hat er zwar fertig gekauft, aber er hat die Kartoffeln gekocht, den Tisch gedekt und den Saft gemacht. Das scheint euch vielleicht nicht so ungewoehnlich, wenn man aber schon fast 4 Monate in Guayaquil verbracht hat, ist man eher daran gewoehnt, dass die Maenner im Schlafzimmer sitzen und sich noch von den Frauen, die alles vorbereiten und kochen muessen, bedienen lassen oder sonstige Sonderwuensche haben. Mein Papaá in Guayaquil muss nur einmal laut pfeiffen (sehr laut, um den Fernsehr zu uebertoenen!), und schon kommt meine Mutter angerannt und tut was er sagt. Mein Papá in Cuenca dagegen hat Fruehstueck gemacht, abgespuelt, gefegt und auch sonst immer geholfen, wenn was im Haushalt getan werden musste. Obwohl sie ein Hausmaedchen haben, dass die meiste Arbeit macht, wird alles andere gerecht auf die Familie aufgeteilt und keiner kann ueber den anderen bestimmen. Das fand ich sehr angenehm.

 Auch sonst scheinen die Menschen in Cuenca viel weniger machohaft zu sein. Vielleicht leigt es auch an den vielen Touristen in der schoenen kleinen Stadt mit den Haeusern im Kolonialstil und den Kopfsteinpflasterstrassen, aber mir wurde viel weniger hinterhergestarrt und gepfiffen, als hier in den Strassen von Guayaquil. Das war richtig angenehm!

 Ihr merkt schon, die Woche in Cuenca hat mir sehr gut gefallen. Obwohl es dort nur ca. 15 Grad waren und oft ganz ploetzlich wie aus Kuebeln geregnet hat, ich viel gefroren habe und oft sehr nass war habe ich die 8 Tage dort sehr genossen. Ich habe viel gesehen, war oft mit Tim und Tim in Museen und habe Ausfluege gemacht, ich habe sehr nette Menschen kennen gelernt und gemerkt, das es gar nicht so schlimm ist mit 2 Hunden zu leben (die duerfen allerdings auch nicht ins Haus!). Diese Woche war eine sehr willkommene Abwechslung und eine tolle Erfahrung und als mich meine Gasteltern nach einem sehr leckeren Esen bei der Oma am Busterminal verabschiedet haben und meiner Mamá die Traenen kamen, musste ich auch weinen.

 Cuenca ist nicht nur sehr schoen und sehenswert, ich habe dort auch eine neue Familie gefunden, die mir versichert hat, dass ich immer bei ihnen willkommen bin. Ich hoffe zwar auch, dass sie - und vor allem Cecilia die ja eh fuer Deutschland schwaermt - mich ergendwann mal besuchen kommen koennen, aber ich werde sicherlich auch irgendwann nach Cuenca zurueckfahren um sie zu besuchen. Ich bin ihnen sehr dankbar fuer die tolle Woche und hoffe, dass sie nicht zu viele Umstaende mit mir hatten.

 So, ich hoffe, jetzt habe ich eure Neugier mal wieder ein wenig gestillt. Bitte entschuldigt die Fehler im Text, aber ich hab mich sehr beeilt, damit ihr nicht so lange warten muesst. ;-)

 Also dann, vielen Dank nochmal fuer eure Treue und die vielen lieben Mails und Komentare die ich bekomme. Bald bin ich auch wieder zu Hause, es sind nur noch 35 Tage. Bis dahin werde ich aber noch viel erleben und hofenltich auch noch viel schreiben... Machts gut!

22.11.06 23:49
 


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