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Essen

Freitag, 25.08.2006, 10:16 Ortszeit Guayaquil

 Hallo ihr Lieben. Ich dachte mir, es wird mal langsam Zeit ueber die wirklich wichtigen Dinge im Leben zu schreiben: ESSEN. Die Meisten von euch werden wissen, wie gerne ich esse und dass mir dieses Thema besonders am Herzen (Magen) liegt. ;-) Natuerlich habe ich mich auch schon vor meiner Abreise ein Bisschen darueber informiert aber nicht wirklich viel herausgefunden. Damals hab ich nur gelesen, dass man in den Bergen hauptsaechlich Mais und Reis isst und hier an der Kueste eher Bananen. Da ich Bananen gar nicht mag hatte ich schon Angst, aber alles ist ganz anders gekommen.

 Hier in Ecuador isst man, egal ob an der Kueste oder in den Bergen, immer Reis! Zu jedem Essen gibt es Reis und zwar einfach nur gekochten. Ab und zu gibt es dazu Mais oder auch mal etwas, das fuer uns wie Banen aussieht, aber nicht so schmeckt. Ausserdem ist es hier ueblich, dass man erst eine Suppe isst und dann das Hauptgericht bekommt. Das kann dann Huehnchen, Schweinefleisch oder Fisch sein, natuerlich immer mit Reis und eventuell ein bisschen Gemuese oder Salat. :-)

 In meiner Familie wird am Wochenede nicht gekocht, weil die Mamá dann auch frei haben moechte, also geht man irgendwo an der Strasse essen. Natuerlich alle zusammen. Dort gibt es aber eigentlich das Gleiche wie zu Hause: Suppe und dann Flaisch oder Fisch mit Reis. Man bestellt eigentlich nur die Fleischsorte, die man gerne haette und ds wird dann mit Reis und Gemuese serviert. Letzte Woche habe ich mir einmal Lasagne bestellt, weil ich dachte, so keinen Reis essen zu muessen. Ist ja schliesslich Pasta. Aber da hab ich Pech gehabt! Lasagne ist in dem Fall das Fleisch und was gibt es zum Fleisch? Reis! Dieses Essen war sowieso etwas seltsam, auch wenn die Lasagne gut geschmeckt hat. Aber als Salat gab es an dem Tag Nudelsalat mit Moehren und anderen Gemuesen. Also wenn ich ehrlich bin finde ich, dass Lasagne mit Reis und Nudelsalat ein recht einseitiges Essen ist. Jetzt verstehe ich warum die Ecuadorianer immer sagen, wir Europaeer wuessten, wie man isst. ;-)

 Aber an den Reis und das Essen hier gewoehnt man sich. Mein Magen hat zwar etwas laenger gebraucht aber das ist schon in Ordnung so. Viel komischer finde ich da die Tischregeln, falls man das so nennen kann. Wie ihr sicher wisst ist hier in Suedamerika der "Machismo" noch sehr verbreitet. Also Maenner sind mehr wert als Frauen und leben das voll aus. Das heisst natuerlich auch, dass ein Mann niemals kochen oder sonst eine Arbeit in der Kueche machen wuerde. Die Frauen kochen, in meiner Familie meine Mamá, und dabei lassen sie sich auch nicht helfen oder reinreden!

 Ausserdem wird das Essen hier grundsaetzlich serviert. Ich habe noch kein einziges mal hier erlebt, dass jemand einen Topf oder aehnliches auf den Tisch stellt und sich jeder Essen nehmen kann. Die jenige, die kocht, stellt fuer jeden Einzelnen einen Teller zusammen und serviert ihn. Und sobald man sein Essen hat, faengt man an. Ich hab mich da am ersten Tag schoen blamiert, als ich am Tisch sass, mit meinem Essen und auf die anderen gewartet hab. Ich bin ein paar mal gefragt worden, ob ich keinen Hunger haette bis ich begriffen habe, dass hier nie jemand wartet.

 Nach dem Essen stehen die Jungen dann auch einfach auf, egal wie weit die anderen mit Essen sind. Man wuenscht einen Guten Appetit, bedankt sich fuer das Essen und stellt seinen Teller in die Spuele. Der Vater bleibt bis zum Ende sitzen, zumindest in miener Familie. Dafuer muss er aber auch seinen Teller nicht wegraeumen. Das machen dann die Frauen im Haus, die nicht gekocht haben (meine Schwester und ich). Wir sind dann auch dafuer zustaendig, alles zu spuelen und sauber zu machen; die Jungen gucken in der Zeit fern oder machen sonst was. Ich kann nicht beurteilen, ob das nur fuer meine Familie gilt oder allgemein gueltig ist, aber es ist auf jeden Fall nicht ueblich, dass Maenner im Haushalt arbeiten.

 Das faellt auch beim Abendessen auf. Ich mache mir meistens einfach was, wenn ich von der Arbeit komme, weil ich dann schon lange nichts gegessen hab und Hunger habe. Meine Geschwister essen in der Woche ja erst viel spaeter Mittag als ich und haben somit auch Abends erst spaeter Hunger. Dann rufen sie nach der Mamá oder der Schwester und beschweren sich, dass sie was essen wollen. Also muss jemand was zaubern. Allerdings sagt meine Mamá in letzter Zeit immer oefter, dass sie sich ruig auch selbst ein Brot schmieren koennen. :-)

 Das mit dem Essen hier ist wirklich aufregend, aber ich muss schon sagen, dass das Meiste gut schmeckt! Meine Mamá kann gut kochen und macht das auch gerne und seit mein Magen sich an das Wasser und die Gewurze hier gewoehnt hat esse ich auch wieder viel und gerne. Auch wenn es ab und zu Sachen gibt, die ich nicht kenne oder die komisch aussehen. Ein Problem hab ich nur mit dem ewigen Braten, frittieren und so. Ich esse das wirklich gerne, aber wenn es zum Fruehstueck gebratene Kochbananen mit Ei gibt, zum Mittag Gemuesesuppe und Huehnchen mit Pommes und Reis und Abend dann Hot Dogs oder gar Empanadas, dann kann ich nicht schlafen. Da tut es gut, dass ich Morgens alleine bin un mir zum Freuhstueck ein Brot schmieren kann. (Mit Fleischwurst und Kaese, was anderes gibt es nicht.)

 Also alles in allem ist das Essen nicht besonders abwechslungsreich aber lecker. Und natuerlich gibt es hier viele Sachen nicht, die ich zu Hause gerne esse. Freue mich schon auf richitges Brot mit ordentlich Wurst oder Marmelade. Ich freu mich auf einen leckeren Braten von meinem Papa mit Kartoffen und ohne Reis. Oder auf Reibekuchen oder Bratkartoffeln oder Wurstsalat. Ich freu mich auf die naechste Grillsaison und auf Eisessen gehen. Und natuerlich auf Obst, Gemuese und Nachtisch wie wir es zu Hause machen! Aber die 4 Monate die ich noch hier bin werde ich den Reis und die Bananen hier geniessen und versuchen, so viel wie moeglich von den Kochkuensten meiner Mamá abzugucken, damit ihr auch mal Ecuadorianischen Essen probieren koennt. ;-)

 Also dann macht es mal weiterhin alle gut meine treuen Leser und Leserinnen und schreibt mir ruig weiterhin so fleisig, ich freu mic hueber jede Nachricht aus der heimat. ;-)

 Ich wuensche euch leckeres Essen und alles Gute. Bis demnaechst.

25.8.06 18:04


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Glueck gehabt!

Freitag, 18.08.2006, 10:25 Ortszeit Guayaquil

 Es scheint so, als haette ich von zu Hause ein paar Schutzengel mitgebracht, die hier auf mich aufpassen!

 Als ich am Montagabend die Nachrichten hier geguckt habe, musste ich feststellen, dass wir am Sonntag fast nicht mehr nach Hause gekommen waeren. Nur einige Stunden nachdem mein Vater so waghalsig die abgerutschte Stelle auf der Bergstrasse ueberquert hat, ist der gesamte Berg noch weiter abgestuerzt. Ich habe ja in meinem letzten Bericht geschrieben, dass sich sonst kaum jemand ueber diese Stelle gewagt hat, weil alles so unsicher war. Jetzt bin ich heilfroh, dass Mein Vater sich getraut  hat. Heute gibt es diese Strasse nicht mehr!

 Waeren wir nicht einfach weitergefahren, saessen wir jetzt in Riobamba fest. Und dort ist inzwischen alles total verstaubt, verdreckt und verrusst. Vorgestern ist naemlich der Vulkan Tungurahua ausgebrochen. So haeftig, wie schon ewig nicht mehr. Die Stadt Baños, von der aus wir den Vulkan fotografiert haben und die Seilbahn sind komplett unter Lava und Asche begraben. Viele kleine Staedte in der Naehe sind verschuettet oder zerstoert. Die Bauern sind am Ende, weil ihre Ernten zerstoert sind. Tiere und Menschen sind gestorben oder schwer verletzt.

 Schon als wir da waren, gab es erste Anzeichen dafuer, dass bald wieder Lava fliesst und viele Menschen und vor allem Touristen haben sich in Sicherheit gebracht. Aber die Einheimischen wollen oft ihre Haeuser und ihren Besitz nicht aufgeben und bleiben. Es ist hart, das sehen zu muessen!

 Gestern Abend haben sie in den Nachrichten noch immer von Lavastroemen und Russwolken berichtet, noch ist das Ganze nicht vorbei. Ich bin sehr froh, hier in Guayaquil zu sein, und zum Glueck sind auch alle anderen AFSer sicher in den Grossen Staedten Quito und Esmeraldas untergebracht. Allerdings ist es zur Zeit, wenn ich das richtig verstanden habe, nicht moeglich, zum Beispiel von Guayaquil nach Quito zu fliegen. Die Sicht ist durch Rauchwolken teilweise zu schlecht. Gut, dass ich eh noch ein paar Monate hier bin!

 Also dann, ich denke, ich habe euch genug Angst gemacht fuer heute! Macht euch bitte keine Sorgen. Es geht mir gut und ich bin hier sicher! Werde mich bald wieder mit erfreulicheren Berichten melden.  :-D

 Bis dahin macht es alle gut und schreibt mir ab und zu mal.

18.8.06 17:54


Wochenendausflug in die Sierra

Sonntag, 13.08.2006, 20:00h Ortszeit Guayaquil

 Da am Donnerstag hier in Ecuador ein Feiertag war, hatten so ziemlich alle Ecuadorianer am Freitag frei. Und was macht man an so einem langen Wochenende? Man faehrt weg! In unserem Fall in die Sierra. Das ist eine der drei Regionen Ecuadors, die in den Bergen. Guayaquil gehoert zur "Costa", obwohl es nicht wirklich an der Kueste liegt. Aber eben auch nicht in den Bergen. Die dritte Region ist die "Selva", der Regenwald.

 Meine Familie hat mich also mit in die Berge genommen. Zuerst war ich ein wenig verwundert, als meine Mutter mich am Freitagmorgen um 9:00h geweckt und mir gesagt hat, das wir wegfahren. Aber es war wirklich toll! Wir haben nur schnell gefruehstueckt, gepackt, und dann ging es los! Ueber abenteuerliche Strassen durch eine atemberaubende Natur zwischen gigantischen Bergen und an furchteinfloessenden Taelern vorbei. Ich habe Bananenplantagen gesehen, Hoehlen, in denen die Indios leben und natuerlich die Vulkane.

 Ueberraschend war fuer mich, wie schnell man sich an das Klima hier in Guayaquil gewoehnt. Meine Schwester hatte mich zwar vorgewarnt, dass es in den Bergen kaelter ist, und ich hab mir auch meinen dicksten Pullover mitgenommen, aber so richtig habe ich nicht geglaubt, dass ich frieren koennte. Was sind schon 18 Grad?? Aber dann hab ich schnell festgestellt, dass 18 Grad verdammt kalt sind, wenn man 30 gewohnt ist! (Freu mich schon auf meinen Rueckflug - 30 Grad Temperaturunterschied in 13 Stunden?) Zum Glueck gab es in unserem Hotel eine warme Dusche!

 Wir haben in einem Hotel in dem Dorf Riobamba ganz in der Naehe des (inaktiven) Vulkans Chimburazo gewohnt. Von dort aus konnten wir nicht nur gut in Riobamba Essen gehen und alles, was man so braucht einkaufen, sondern auch Tretboot fahren, den Park und eine tolle Kirche bewundern und die Marathonlaeufer anfeuern.

 Am Samstag allerdings wollte meine Familie mir den Vulkan zeigen. Also sind wir mit dem Auto los in Richtung Chimburazo. Der war allerdings total in den Wolken versteckt, also sind wir weiter bis in das Dorf Baños gefahren. Das liegt direkt an einem anderen, aktiven Vulkan den man toll sehen konnte! Auf den Wunsch meines kleinen Bruders hin hat mein Vater sogar ein Stueck Lavastein gekauft. :-)

 Ich hab satt dessen lieber Fotos gemacht, so einen Vulkan sieht man ja nicht alle Tage und das ist schon wirklich eindrucksvoll. Vor allem in dieser Gegend. Wir sind ausserdem noch mit einer Seilbahn ueber ein Tal gefahren und haben Indios im Wasserfall duschen sehen. In den Tunneln und auf den Bruecken auf unserem Weg hatten wir allerdings alle ein komisches Gefuehl. Es ist halt doch unheimlich, wenn auf einmal die Erde wackelt, die Bruecke laut knackt und aus dem Vulkan eine dunkle Rauchwolke kommt.... Aber es ist nichts passiert!

 Auf die Rueckfahrt heute Morgen hatten wir dann natuerlich alle keine Lust. Morgen ist wieder Schule und Arbeit, da ist so ein Dorf in den Bergen doch schoener! (Auch wenn bestimmte Personen erst gar nicht mit wollten, weil die Kueste doch so viel schoener ist und es in der Sierra so kalt ist! *g*) Die sowieso nicht besonders gut erhalten Bergstrassen hatten dann auch noch eine kleine Ueberraschung fuer uns. An einer Stelle war der Weg naemlich abgerutscht und es gab einen Stau, weil keiner mehr sich getraut hat, weiter zu fahren. Wir sind also alle ausgestiegen und haben geguckt. Mein Vater hat beschlossen, dass sein Wagen das kann und ist gefahren. Er hatte ja vorher auch schon das ein oder andere Schlagloch schadenfrei ueberstanden (im Gegensatz zu meinem Kopf der immer an die Autodecke gestossen ist!). Wir sind also zu Fuss weiter und hinter der heiklen Stelle wieder eingestiegen. Es hat tatsaechlich geklappt und alle umstehenden haben ordentlich doof geguckt! Naja, und jetzt sind wir halt wieder in Guayaquil... .

 Dieses Wochenende war wirklich ein tolles Erlebnis! Ich bin meiner Gastfamilie sehr dankbar, dass sie mich mit auf diesen Ausflug genommen haben und ich das alles sehen durfte. Ecuador hat wirklich viel an toller Landschaft zu bieten! Und meiner richtigen Familie moechte ich dafuer danken, dass sie es mir ermoeglichen, das alles hier sehen und erleben zu duerfen! Ich habe euch sehr lieb!

 

 P.S.: Wo ich gerade dabei bin danke zu sagen: Vielen Dank an alle, die mir immer so fleissig ins Gaestebuch und E-Mails schreiben! Es ist toll, von euch zu lesen und es tut gut zu sehen, wie viele an mich denken. DANKE!!!

14.8.06 03:37


Hogar Infanto Juvenil Feminino

Montag, 07.08.2006 10:38 Ortszeit Guayaquil

 Nachdem mich nun in den letzten Tagen einige Mails mit Fragen ueber mein Projekt erreicht haben, will ich endlich auch mal darueber berichten. Eine Woche Arbeit dort duerfte ja genuegen, um sich ein realistisches Bild machen zu koennen. :-)

 Also, ich arbeite in eine einem Heim fuer Maedchen, die keine Eltern mehr haben oder deren Eltern auf der Strasse leben und es sich nicht leisten koennen, ihren Kindern das Noetigste zu bieten. Dieses Heim heisst Hogar Infanto Juvenil Feminino und ist mit dem Bus in etwa einer Stunde von meiner Familie aus zu erreichen. Ich arbeite dort immer montags bis freitags von 13:00 bis 17:00 Uhr.

 Das Heim ist wirklich nicht mit deutschen Kinderheimen zu vergleichen, es ist dort dreckig, es stinkt und wenn ich das Essen nur sehe wird mir schlecht! Mir fiel as am Anfang schwer mir vorzustellen, dass es den Kindern dort besser gehen kann als vorher. Aber wenn man sich ueberlegt, dass die Alternative die Strasse ist... Da hab ich ja schon Angst, dass man mich beklaut oder ueberfaellt!

 Die Maedchen dort sind zum Teil schwer behindert, zwei koennen weder reden noch alleine Essen oder sonst irgendetwas. Sie machen sich in die Hose und keiner kuemmert sich darum. Wenn man grade keine Lust hat, werden sie nicht gefuettert und den ganzen Tag sitzen sie in irgendeiner Ecke und haben nichts zu tun. Das ist schon schwer mit anzusehen.

 Das Alter der Maedchen liegt hauptsaechlich zwischen 5 und 15/16 Jahren, und kaum eine von ihnen kann lesen oder schreiben. Sie sind immer ganz stolz, wenn sie die Zahlen von 1 bis 10 aufsagen koennen, aber schrieben koennen sie die auch nicht. Geschweige denn addieren oder subtrahieren... .

 Eine Frau allerdings ist schon 23 und lebt anscheinend schon ihr ganzes Leben dort in dem Heim. Sie hat keine Eltern und ist lernbehindert. Sie ist, wie die anderen, Analphabetin, moechte aber gerne lernen zu schreiben. Offensichtlich hat sich darum nur bisher keiner gekuemmert. Und jetzt faellt auf einmal allen auf, dass sie ja nicht ewig in dem Heim bleiben kann und langsam Arbeit finden sollte. Also wollte eine der Betreuerinnen ihr zumindest beibringen, ihren Namen zu schreiben. Das ist allerdings ziemlich in die Hose gegangen. Musste es auch! Die Betreuerin hat naemlich nur den Namen und Nachnamen auf einen Zettel geschrieben - in Schreibschrift - und von dem Maedchen verlangt, das nachzumachen. Sie ist in Traenen ausgebrochen weil sie es nicht konnte. 

 Uberhaupt sind die Betreuerinnen etwas seltsam. Schon bei meinem ersten Besuch habe ich mich gewundert, warum keiner sich wirklich fuer mich interessiert hat. Immerhin komme ich fuer fuenf Monate jeden Tag um dort zu helfen und werde nicht bezahlt! Da sollten sie sich doch drueber freuen, oder? Stattdessen werde ich nach drei Stunden den Maedchen vorgestellt, die dann gleich angeschnautzt werden, dass sie mich gafaelligst zu respektieren haben. Zu der Zeit hatte ich mich schon laengst mit den Maedchen angefreundet!

 Was meine Aufgabe dort ist hat mir auch keiner wirklich erklaert. Eigentlich reden sie sogar gar nicht mit mir, obwohl ich gesagt habe, dass Spanisch in Ordnung ist, so lange man nur langsam mit mir spricht. Aber das ist wohl zu anstrengend, wie alles dort. Am liebsten setzen die netten Betreuerinnen ihre Schuetzlinge vor den Fernseher und lassen sie Zeichentrickserien schauen anstatt ihnen Lesen und Schreiben beizubringen. 

 Von einer anderen Freiwilligen, einem Maedchen aus den USA die noch zwei Wochen dort arbeitet, habe ich erfahren, dass es bei ihr am Anfang nicht anders war. Sie hat dann einfach auf eigen Faust versucht, den Maedchen irgendwas beizubringen. Ich werde diesen Versuch also fortsetzten und hoffen, dass jemand mitmacht damit ich nicht vor Langeweile umkomme. ;-)

 Ueberhaupt ist mir das Ganze ein wenig suspekt. Vor unserer Abreise aus dem Sprachcamp hat jeder eine Beschreibung seines Projektes bekommen, die die Leiter dort selbst ausgefuellt haben. Bei mir stand unter anderem drin, dass alle eine Uniform tragen und ich regelmaessige Unterstuetzung bekomme. Weder das eine, noch das andere ist der Fall. Mal abgesehen davon, dass dort auch stand, ich wuerde Vormittags arbeiten... Naja, ich werde das Beste daraus machen!

 Immerhin kann ich sagen, dass die Maedchen mich sehr gerne moegen und ich sie auch. Ich glaube, wir koennen viel Spass gemeinsam haben, auch wenn die Betreuerinnen das anscheinend nicht so gerne sehen! Ich bin schliesslich da, um den Maedchen zu helfen, und nicht irgendwelchen verbitterten Erzieherinnen! :-)

 So, ich hoffe, ich konnte eure Neugier was mein Projekt betrifft ein wenig stillen? Jetzt muss ich naemlich auch schon los, meine Maedchen warten nicht!

 Bis bald und liebe Gruesse, eure Annika.

7.8.06 18:13


Zu Gross, zu blod, zu weiss!

Mittwoch, 02.08.2006 19:30 Ortszeit Guayaquil

 Gerade bin ich von meiner Arbeit wieder gekommen und musste schon wieder feststellen, dass ich fuer dieses Land einfach zu gross, zu blond und zu weiss bin. Schon in unserem Camp am Anfang haben alle Leute immer die "gringos" angestarrt, da kennen die Ecuadorianer ja keine Scham. Kleine Kinder sind hinter uns hergelaufen, wollten mit uns reden oder unsere Haut und Haare anfassen und haben dann gefreut, wenn jemand "hola" gesagt hat. Als wir mit einer groesseren Gruppe in der naechsten Stadt waren um Wasser zu kaufen und zu telefonieren haben uns alle Jungs hinterher gerufen, uns angestarrt und mit Komplimenten ueberhaeft. Wir haben uns gefuehlt, wie eine Attraktion; in der Gruppe ist das ja alles ganz lustig!

 Aber jetzt, wo ich immer alleine unterwegs bin ist das gar nicht mehr so lustig. Alle rufen mir nach, wollen mit mir reden oder mich anfassen. Die Strassenhaendler kommen immer zu mir, weil sie glauben, ich haette mehr Geld. Die Kinder in meiner Arbeit haben alle ausgiebig meine Haare und meine Arme befuehlt und im Bus setzten sich am liebsten alte, verschwitzte Opas neben mich.

 Am schwierigsten dabei ist es, hoeflich zu bleiben. Schon in unserem Camp haben sie uns beigebracht, dass man alle Menschen gruessen soll, egal ob man sie kennt oder nicht. Aber wenn ich das tue, glauben immer alle gleich, ich wollte mich jetzt mit ihnen unterhalten und quatschen auf mich ein. Die wird man dann gar nicht mehr los. 

 Heute im Bus war es ganz besonders schlimm. Ich muss fast eine 3/4 Stunde mit einem Bus fahre und mehr als eine halbe Stunde hat einer von besagten Opas neben mir gesessen. Zuerst ha er mich nur freundlich nach der Zeit gefragt, wo ich herkomme und ob mir Guayaquil gefaellt. Aber dann wollte er mit mir tanzen gehen, mich zu sich einladen, meine Telefonnummer haben oder mich nach Hause begleiten. Natuerlich gefaellt mir tanzen nicht, habe ich kein Telefon (Nein, auch nicht in Deutschland!), und werde an der Bushaltestelle von meinem Grossen Bruder erwartet. Haha... Zum Glueck ist er eher ausgestiegen als ich.

 Und bei jeder neuen Idee, die er mir mitteilen wollte, hat er mich wieder angepackt. Irgendwie komisch, aber so sind die Menschen hier halt, viel naeher, herzlicher und offener. Trotzdem habe ich mich dann aber geweigert, ihm - wie hier wohl ueblich - zum Abschied einen Kuss zu geben. Ich moechte ja nicht unhoeflich sein, aber das geht echt zu weit. Nur weil er neben mir im Bus gesessen hat? Ich kenn den Menschen doch gar nicht! Naja, ich hab mich halt so lange geweigert, bis er aussteigen musste und keine Zeit mehr hatte. Und ich war so froh, dass er endlich weg war!

 Als blonde, grosse Weisse hat man es wirklich nicht so leicht hier unauffaellig zu bleiben... aber angeblich gewoehnt man sich ja daran. :-) Ich bin mal gespannt.

 Also dann bis zum naechsten Mal und bleibt alle gesund und munter! Hab euch lieb, eure Annika.

3.8.06 02:39


Sprachkurs und Guayaquil

Dienstag, 01. August 2006, 10:22 Ortszeit Guayaquil 

  Es ist schon lange her, seit ich das letzte Mal geschrieben habe und ihr fragt euch sicher alle, wie es mir in den letzten Tagen ergangen ist. Also: Nach unserer Ankunft in Quito hatten wir ja erstmal zwei Tage frei um uns zu erholen. Das war auch sehr gut, denn am Montag hat der Sprachkurs angefangen. Jeder von uns hatte seinen eigenen Lehrer und wir haben von morgens 9:00 bis abends ca. 18:30 Spanisch gepaukt. (Natuerlich mit Pausen!) Ich habe in diesen fuenf Tagen alle Zeiten inklusive unregelmaessiger Verben gelernt. Ausserdem haben wir uns in Konversation geuebt, einen Nachmittag Sport gemacht und am Freitag zum Abschluss alle ein Theaterstueck aufgefuehrt. Ich habe mit meiner Gruppe eine etwas abgewandelte Form von "Mama making chocklate coockies" vorgespielt, was auch sehr gut ankam. 

 Der Abschied am Freitag war gar nicht so einfach, es ist halt doch immer wieder doof, wenn man sich von jemandem verabschieden muss. Die fuer uns verantwortliche AFS Mitarbeiterin Esther hat versucht, es uns ein wenig leichter zu machen, indem sie uns mit in eine Karaoke Bar genommen hat. Dort konnten wir nochmal alle zusammen feiern und Spass haben. 

 Am naechsten Morgen ging es dann in die verschiedenen Staedte. Wir Guayaquiler hatten es am schwersten, denn wir mussten um 6:00h morgens mit einem Bus nach Quito zum Flughafen fahren. Da hat Esther dann festgestellt, dass unser Flug nicht reserviert war und wir nur auf der Warteliste standen. Zum Glueck hat dann aber trotzdem noch alles geklappt und wir sind gut in Guayaquil angekommen. Ueber den ganzen Trubel mit der Warteliste hat die Frau am Schalter auch ganz vergessen, sich ueber das Gewicht meines Koffers zu beschweren... ;-) Glueck gehabt! 

 Jedenfalls hat uns in Guayaquil eine ganze Horde von AFSern in Empfang genommen, alle mit schoenen weissen T-Shirts mit AFS Logo. Das war doch sehr beruhigend. Meine Familie (Mutter Carmen, Vater Nelson, Bruder Jonatan, Schwester Lisette mit der ich mein Zimmer teile, und ein kleiner Bruder Richard) ist dann auch schnell gekommen und wir sind in mein neues Zuhause gefahren. Dieses neue Zuhause besteht aus einem Grossen Bad mit (kalter) Dusche, zwei Kinderschlafzimmern, einem Schlafzimmer fuer die Eltern, in dem aber jeder fernsehen kann, einer Kueche, einem Waschraum, einem Gaesteklo und dem Computerraum mit Flatrate. Ihr seht also, ich habe es richtig gut getroffen! 

 Alle hier sind sehr lieb zu mir und ich glaube, ich werde eine tolle Zeit hier verbringen! Lisette hat es inzwischen sehr gut raus alles, was die anderen zu mir sagen, nochmal langsam und deutlich zu wiederholen und mir die unbekannten Woerter auf Spanisch zu erklaeren. Hier sprechen sie naemlich nicht nur viel schneller als in Quito, (Mateo hat gesagt, er wuerde die Guayaquiler nicht verstehen!) sondern lassen auch gerne alle s weg. Und in meiner Familie spricht keiner wirklich Englisch, was es mir auf der einen Seite schwerer macht, auf der anderen aber sicher dazu fuehrt, dass ich schneller Spanisch lerne. 

 Heute Mittag um eins gehe ich das erste Mal arbeiten. Leider werde ich in dem Heim im Moment nur immer von 13:00 bis 17:00 Uhr gebraucht, so dass ich den ganzen Vormittag alleine zu Hause bin. Aber das kann sich angeblich noch aendern. 

 Gestern war ich mit meiner AFS Betreuerin schon mal in dem Heim und habe mich vorstellen lassen, auch dort scheinen alle nett zu sein. Das Einzige, was mir noch Sorgen macht, ist der Weg hin und zurueck. Mein Orientierungssinn ist ja bekanntlich nicht besonders gut und das mit dem Busfahren ist hier nicht so einfach, wie in Deutschland. Man muss zu einer vielbefahrenen  Strasse gehen und irgendeinem Bus das Zeichen zum Anhalten geben. Dann bezahlt man 25. Cent und hofft, dass der Bus in die richtige Richtung faehrt. Wenn man dann meint, man sei richtig, ruft man "PARE" und steigt aus. Es gibt weder Haltestellen noch Busfahrplaene, die Busse sind winzig, ungemuetlich und meistens hoffnungslos ueberfuellt. Aber das wird schon. Vielleicht gewoehnt man sich ja irgendwann dran... :-) Heute faehrt zum Glueck nochmal jemand vom AFS mit mir zur Arbeit. 

 So, das wars, was ich bis jetzt berichten kann, aber ich moechte mich auf jeden Fall noch bei euch allen fuer die lieben Mails, Gaestebucheintraege und bei Sarah und Carla fuer ihre SMS vor meiner Abreise bedanken! Es ist toll, wie ihr alle an mich denkt, vielen Dank!

 Ich hab euch sehr lieb und wuensche euch alles Gute! Bis bald, Annika.

1.8.06 17:56


Flug nach Ecuador und die ersten 2 Tage in Quito

Sonntag, 23.07.2006 15:27 Ortszeit Quito

 So, jetzt bin ich also hier in Quito. Der Flug war seeeeehr lang aber eigentlich ganz in Ordnung. Von Duesseldorf bis Madrid war mein einziges Problem, dass ich dringend aufs Klo musste, aber sonst hat es eigentlich sogar Spass gemacht. In Madrid hatte unser Flug dann ein wenig Verspaetung, wegen technischen Problemen. Das hoehrt man doch sehr gerne, wenn man fliegen soll... :-( Aber dann gings los! Ich war froh, dass die anderen Deutschen mit mir geflogen sind!

 Zuerst lief alles gut, ich konnte sogar das nicht wirklich leckere Essen essen und mir einen Film anschauen. Aber als wir ueber Lateinamerika waren ist mir doch sehr schlecht geworden. Nun war ich allerdings auch schon sehr lange wach! Elf Stunden Flug sind verdammt lang! Aber ich habe es geschafft das Essen bei mir zu halten!!!

 In Quito angekommen mussten wir erstmal unsere Koffer alle finden, gar nicht so einfach weil irgendwer sie schon vom Band genommen hatte, waehrend wir kontrolliert wurden.  Bei unserer Suche nach gelben AFS Anhaengern haben wir dann eine sehr nette Schwedin getroffen und sind letztendlich auch von Esther in unser Camp (Campamento nueva vida, ausserhalb von Quito) gebracht worden. Hier ist es sehr schoen! Wir haben gegessen und sind ins Bett gegangen. Ich war sooo muede!

 Am naechsten Tag, also gestern, habe ich dann nach dem Fruehstueck erstmal mit Papa telefoniert und bescheit gegeben, dass es mir gut geht. Das ist dann aber nicht mehr lange so geblieben. Ich weiss nicht ob es die Hoehe, der Zeitunterschied und die Muedigkeit oder das Essen war, aber gegen Nachmittag  hatte ich schreckliche Kopfschmerzen, mir war schlecht und ich musste mein Mittagessen loswerden. Naja, ich bin halt frueh ins Bett und jetzt geht es mir viel besser. Und alle hier sind sehr lieb zu mir gewesen, machen sich Sorgen und kuemmern sich um mich. Ihr muesst euch also keine Sorgen machen! Ich bin hier gut aufgehoben.

 Uebrigens haben wir auch schon sehr viel ueber Ecuador, die Kultur und Menschen hier und alles Wichtige gelernt. Das macht schon Spass! Morgen faengt dann unser Spanischkurs an. Jeder von uns bekommt einen Lehrer nur fuer sich, also one on one lessons! (Jetzt weiss ich, warum das Programm so teuer ist!)

 Tja, was soll ich sonst noch erzaehlen. Es ist sehr schoen hier, die Natur ist faszinierend, die Menschen sind sehr nett und ich glaube, dass ich eine tolle Zeit hier haben werde. Auch wenn ich immer noch nicht viel ueber meine Familie oder mein Projekt weiss. Ich werde wohl bald mehr erfahren und halte euch natuerlich auf dem laufenden!

   Also dann, liebe Gruesse an euch alle, ich hab euch sehr lieb und hoffe, dass es euch allen gut geht.
23.7.06 22:45


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